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Anschlagketten: Auswahl, Einsatz und Konfiguration

Anschlagketten sind ein zentrales Anschlagmittel zum sicheren Heben schwerer Lasten. Je nach Einsatzfall unterscheiden sich Anforderungen an Tragfähigkeit (WLL), Stranganzahl, Nutzlänge, Temperaturbeständigkeit, Beschlagteile etc. teils deutlich, z. B. bei unterschiedlichen Anschlagsituationen, etwa bei asymmetrischen Lasten oder variierenden Anschlagwinkeln.

Auf dieser Seite findest du die wichtigsten Grundlagen zu Anschlagketten bzw. Kettengehängen sowie konkrete Hinweise zur Auswahl und Anwendung.

Was ist eine Anschlagkette?

Anschlagketten (auch Hebeketten oder Kettengehänge) der Güteklassen 8, 10 und 12 gehören zu den beliebtesten Anschlagmitteln. Sie werden in unterschiedlichsten Einsatzgebieten verwendet, um schwere Lasten oder Güter sicher zu heben, beispielsweise im Bau, in der Industrie oder im Maschinenbau. Durch ihre hohe Festigkeit und Widerstandsfähigkeit eignen sie sich besonders für raue und mechanisch belastende Umgebungen. Ein weiterer Wesentlicher Vorteil ist die Verkürzbarkeit durch Verkürzungshaken/-klauen.

Was ist die Nutzlänge einer Anschlagkette?

Die Nutzlänge L beschreibt die effektive Länge einer Anschlagkette einschließlich aller Beschlagteile. Sie ist entscheidend für die Anschlagsituation, da sie den Neigungswinkel beeinflusst. Ein größerer Anschlagwinkel reduziert die zulässige Tragfähigkeit, weshalb die Nutzlänge immer passend zur Anwendung gewählt werden muss.

Welche Maße gibt es für Anschlagketten?

Anschlagketten werden über ihre Nenngröße bzw. Nenndicke (z. B. 6, 8, 10 oder 13 mm), Güteklasse (6, 8, 10, 12), die Nutzlänge L1 und die Anzahl der Stränge (ein- bis viersträngig) definiert. Diese Parameter bestimmen zusammen mit dem Anschlagwinkel und der Anschlagart die zulässige Tragfähigkeit (WLL). Die technischen Grundlagen und Anforderungen sind in der Norm DIN EN 818 festgelegt.

Aus welchen Elementen besteht eine Anschlagkette?

Eine Anschlagkette besteht in der Regel aus mehreren aufeinander abgestimmten Bauteilen entlang ihrer Nennlänge: Am oberen Ende befindet sich in der Regel das Aufhängeglied beziehungsweise die Aufhängegarnitur zur beispielsweise Integration an einen Hallenkran. Daran schließt sich ein Verbindungselement zur Kette an, beispielsweise ein Kuppelglied. Je nach Ausführung kann zudem ein Verkürzungselement integriert sein. Am unteren Ende der Kette befinden sich die Endbeschläge (bspw. Haken, Endglieder etc.) Wichtig ist, dass am Gehänge / an der Anschlagkette eine Tragkraft‑ und Prüfplakette angebracht ist, die die zulässige Belastung sowie Prüfinformationen kennzeichnet.

Welche Kettensysteme können geliefert werden?

Kettengehänge werden in der Regel als Baukastensystem gefertigt. Die Montage erfolgt über mechanische Verbindungselemente, wodurch sich einzelne Komponenten flexibel austauschen oder anpassen lassen. Diese Systeme sind typischerweise in den Güteklassen 6, 8 , 10 und 12 verfügbar.

Wann sind Ketten als Anschlagmittel geeignet?

Ketten eignen sich besonders für schwere Lasten und anspruchsvolle Einsatzbedingungen. Typische Fälle sind hohe mechanische Belastungen, raue Umgebungen oder scharfkantige Lasten, wie z. B. Stahlträger oder Maschinenteile. Auch bei erhöhten Temperaturen sind sie geeignet, wobei sich die zulässige Tragfähigkeit temperaturabhängig reduzieren kann und stets die Herstellerangaben zu beachten sind. Ein weiterer Vorteil ist die Verkürzbarkeit der Stränge mittels Verkürzungselementen.
Faustregel: Bei mechanischer Beanspruchung oder robusten Lasten → eher Kette einsetzen.

Wann sollte man Stahl-Ketten anstelle von textilen Anschlagmitteln verwenden?

Stahl-Ketten sollten verwendet werden, wenn textile Anschlagmittel an ihre Grenzen stoßen. Das betrifft insbesondere Lasten mit scharfen Kanten, hohen Temperaturen (ausgenommen Aramid-Produkte) oder starkem Abrieb, wie z.B. unbearbeitete Metallteile. Textile Anschlagmittel sind dagegen besser geeignet, wenn empfindliche Oberflächen geschützt werden müssen oder das Eigengewicht reduziert werden soll. Bei den textilen Anschlagmitteln gibt es zudem Kantenschutzsysteme, Schnittschutzschläuche und unterschiedliche Materialien, sodass diese auch immer wieder bei scharfen Kanten oder starkem Abrieb verwendet werden können.
Grundsätzlich gilt: Für sehr hohe Temperaturen und oftmals bei rauen oder scharfkantige Anwendungen werden häufig Ketten aus Stahl eingesetzt, während textile Anschlagmittel Vorteile bei empfindlichen Oberflächen oder geringem Eigengewicht bieten. Die konkrete Auswahl ist jedoch sehr individuell und hängt sehr stark vom Material und den Einsatzbedingungen ab.

Was sind textile Anschlagketten?

Textile Anschlagketten bestehen aus hochfesten synthetischen Fasern und sind als kettenähnliche Systeme aufgebaut. Sie verbinden das für textile Anschlagmittel typische geringe Eigengewicht mit der Flexibilität (u.a. Baukastensysteme und Verkürzbarkeit) und Leistungsfähigkeit einer Stahlkette. Dadurch eignen sie sich besonders für Anwendungen, bei denen Stahlketten zu schwer sind oder die Oberfläche Durch das geringe Eigengewicht ermöglicht sie so ergonomischeres Arbeiten als mit schweren Stahlketten.

Ein Beispiel ist die textile Kette DoNova® PowerLift. Sie besteht aus einzelnen Gurtbandlagen, die zu Möbiusringen geformt sind (gleichmäßige Belastung) und ist modular wie ein Kettengehänge einsetzbar. Im Vergleich zu Stahlketten ist sie deutlich leichter und ergonomischer, was die Handhabung enorm verbessert. Gleichzeitig reduziert sie das Risiko von Beschädigungen an empfindlichen Oberflächen. Besonders geeignet ist sie für das Handling sensibler Bauteile. Für Anwendungen mit scharfen Kanten ist sie nur in Kombination mit geeignetem Kantenschutz einsetzbar.

Kann ich eine mehrsträngige Anschlagkette auch im Einstrang einsetzen?

Ja, eine mehrsträngige Anschlagkette kann auch einsträngig verwendet werden. Nicht benötigte Stränge werden in die Aufhängegarnitur zurückgehängt. In diesem Fall reduziert sich die zulässige Tragfähigkeit (WLL) auf die einer Einstrangkette. Wichtig ist, dass die Last entsprechend der reduzierten WLL angeschlagen wird.

Welcher Sicherheitsfaktor ist für Anschlagketten vorgeschrieben?

Der Sicherheitsfaktor von Anschlagketten beträgt mindestens 4:1. Das bedeutet, dass die Bruchkraft mindestens viermal so hoch ist wie die zulässige Tragfähigkeit (WLL). Diese Anforderung ist in Normen wie DIN EN 818 festgelegt.

In welchen Situationen sollten Kettengehänge nicht verwendet werden?

Kettengehänge aus Stahl sind ungeeignet, wenn empfindliche Oberflächen beschädigt werden könnten oder wenn das Eigengewicht eine entscheidende Rolle spielt (hier wäre eine textile Anschlagkette eine denkbare Alternative). Bei aggressiven chemischen Einflüssen sollte die Eignung der Kette im Vorfeld genauestens geprüft werden. Ein Einsatz ist ebenfalls unzulässig, wenn die zulässige Tragfähigkeit überschritten wird oder die Anschlagsituation nicht korrekt ausgeführt werden kann.

Anschlagketten im Dolezych-Shop.

Wichtiger Hinweis zur Sicherheit und Prüfung

Anschlagmittel müssen vor jedem Einsatz visuell auf Schäden geprüft werden. Zusätzlich ist eine regelmäßige Prüfung durch eine zur Prüfung befähigte Person erforderlich. Maßgeblich sind die jeweiligen Normen sowie die Herstellerangaben.

Hier geht es zum Konfigurator für Anschlagketten.

Gerade bei komplexen Anwendungen reicht eine Standardlösung oft nicht aus – z. B. wenn du spezielle Haken, bestimmte Stranglängen oder individuelle Kombinationen benötigst. Im Konfigurator stellst du dir dein Kettengehänge genau passend zu deinem Einsatzfall zusammen.

Zum Anschlagketten-Konfigurator

Unsere Anschlagmittel-Seminare.

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